Süßholzwurzel (Glycyrrhiza Glabra)

Süßholzwurzel (Glycyrrhiza Glabra)

Das glycyrrhizinhaltige Süßholzwurzelkraut mit demulzierender, expectorierender und antiulzerogener Wirkung – traditionell und anerkannt bei Husten, Katarrhen der Atemwege und dyspeptischen Beschwerden

Einleitung
Glycyrrhiza glabra (Süßholz, Lakritze) ist eine ausdauernde Staude aus der Familie der Schmetterlingsblütler (Fabaceae). Die Wurzeln und Ausläufer enthalten den Triterpensaponin-Komplex Glycyrrhizin und Flavonoide. Traditionell und durch Kommission E sowie HMPC anerkannt wird Süßholzwurzel bei Katarrhen der oberen Atemwege, Husten und dyspeptischen Beschwerden (einschließlich Sodbrennen) eingesetzt. In Ayurveda und TCM ist sie eines der wichtigsten Tonika und Harmonisierungsmittel. Der Artikel trennt klar zwischen traditioneller Anwendung, experimentellen Ergebnissen und klinisch belegten Wirkungen. Für Tinkturen und Extrakte werden die Wurzeln verwendet.

Botanik und Pflanzenbeschreibung
Glycyrrhiza glabra ist eine ausdauernde, 0,5–1,5 m hohe Staude mit tiefreichender Pfahlwurzel und langen Ausläufern. Die Blätter sind unpaarig gefiedert, die Blüten bläulich-violett in Trauben. Die Früchte sind Hülsen. Die Pflanze ist im Mittelmeerraum, Südosteuropa und Westasien beheimatet und wird weltweit in warmgemäßigten Regionen kultiviert. Verwendet werden die getrockneten Wurzeln und Ausläufer (Liquiritiae radix), geschält oder ungeschält.

Geschichte und Herkunft
Süßholz ist eine der ältesten Heilpflanzen. Erwähnungen finden sich bereits in assyrischen und ägyptischen Texten, bei Theophrast, Dioskurides und in der chinesischen Shen-Nong-Ben-Cao. In Ayurveda (Yashtimadhu) und TCM (Gan Cao) ist sie seit Jahrtausenden ein zentrales Tonikum und Harmonisierungsmittel. Im Mittelalter wurde sie in Europa kultiviert (u. a. Bamberg). Die Kommission E und das HMPC haben Monographien erstellt.

Traditionelle Verwendung (Ayurveda, TCM, europäische Pflanzenheilkunde)

  • Europäische Pflanzenheilkunde: Als Demulgens und Expectorans bei Husten und Katarrhen; bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren sowie dyspeptischen Beschwerden.
  • Ayurveda: Als Yashtimadhu – kühlend, schleimhautschützend, tonisierend, bei Husten, Ulzera und als Rasayana.
  • TCM: Als Gan Cao – tonisiert Qi, harmonisiert Formeln, befeuchtet die Lunge, löst Toxine und stoppt Husten.

Wichtige Inhaltsstoffe

  • Triterpensaponine: Glycyrrhizin (Glycyrrhizinsäure und Salze, 2–15 %), das ca. 50-mal süßer als Zucker ist; Aglykon Glycyrrhetinsäure.
  • Flavonoide: Liquiritin, Isoliquiritin, Liquiritigenin, Isoliquiritigenin, Glabridin und weitere.
  • Weitere: Cumarine, Polysaccharide, Sterole und ätherisches Öl in Spuren.

Wirkung auf Atemwege, Magen-Darm-Trakt und Entzündungsprozesse
Traditionell wirkt Süßholz demulzierend, expectorierend, spasmolytisch, antiulzerogen und antiinflammatorisch. Glycyrrhizin hat mineralocorticoid-ähnliche Effekte.

Experimentelle/präklinische Befunde: Antiinflammatorische, antioxidative, antimikrobielle (u. a. gegen H. pylori), antiviral und hepatoprotektive Effekte; Förderung der Schleimhautregeneration.

Klinisch belegt / anerkannt: Kommission E bestätigt die Anwendung bei Katarrhen der oberen Atemwege und Magen-/Zwölffingerdarmgeschwüren. HMPC anerkennt die traditionelle Anwendung bei Husten und dyspeptischen Beschwerden. Deglycyrrhizinierte Extrakte (DGL) zeigen gute Verträglichkeit bei Ulzera.

Bedeutung für natürliche Ausscheidungsprozesse (wissenschaftlich eingeordnet)
Durch die demulzierende und antiinflammatorische Wirkung schützt und regeneriert Süßholz Schleimhäute. Die expectorierende Wirkung unterstützt die Ausscheidung von Schleim. Die mineralocorticoid-ähnliche Wirkung beeinflusst den Elektrolyt- und Wasserhaushalt (Natriumretention, Kaliumausscheidung).

Aktuelle Studienlage
Die expectorierende und demulzierende Wirkung ist traditionell und pharmakologisch gut gestützt. Bei Ulzera und funktioneller Dyspepsie gibt es positive klinische Daten (besonders für DGL). Die mineralocorticoid-ähnliche Wirkung ist klinisch relevant und limitiert die Langzeitanwendung. Als Tee, Extrakt und Tinktur ist Süßholz seit der Antike etabliert.

Anwendung und Dosierung

  • Tee: 1,5–4 g zerkleinerte Wurzel mit heißem Wasser übergießen oder als Dekokt. 2–3× täglich. Tagesdosis 5–15 g (entspricht ca. 200–600 mg Glycyrrhizin).
  • Tinktur (unsere Zubereitung): 1–2 ml (ca. 20–40 Tropfen) 2–3× täglich, verdünnt.
  • Extrakt: Standardisierte Zubereitungen nach Herstellerangabe; DGL bei Ulzera bevorzugt.
    Anwendungsdauer in der Regel nicht länger als 4–6 Wochen ohne ärztliche Kontrolle.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen
In üblichen kurzfristigen Dosen gut verträglich. Längere oder hohe Einnahme kann zu Pseudoaldosteronismus führen (Natrium- und Wasserretention, Kaliumverlust, Blutdruckerhöhung, Ödeme, Hypokaliämie). Gegenanzeigen: Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, Hypokaliämie, Schwangerschaft (hohe Dosen). In Stillzeit vorsichtig. Interaktionen mit Diuretika, Digitalis, Kortikosteroiden und blutdrucksenkenden Mitteln möglich. Bei Langzeitanwendung Elektrolyte und Blutdruck kontrollieren.

FAQ
Unterscheidet sich Süßholz von deglycyrrhinisiertem Lakritz (DGL)?
Ja. DGL enthält kaum Glycyrrhizin und hat deutlich weniger mineralocorticoid-ähnliche Nebenwirkungen; es wird bevorzugt bei Ulzera eingesetzt.

Hilft es bei Husten und Halsschmerzen?
Ja – traditionell und anerkannt als Demulgens und Expectorans.

Kann Süßholz-Tinktur den Blutdruck erhöhen?
Bei längerer oder hoher Einnahme ja – durch Glycyrrhizin. Kurzfristig und in moderaten Dosen meist unproblematisch.

Ist es für Kinder geeignet?
In geringen Dosen und kurzfristig möglich; unter 4 Jahren nicht empfohlen.

Kann man es mit anderen Kräutern kombinieren?
Sehr gut, z. B. mit Thymian oder Eibisch bei Husten; mit Kamille oder Melisse bei Magenbeschwerden. In TCM wird es häufig als Harmonisierungsmittel eingesetzt.

Zusammenfassung
Glycyrrhiza glabra (Süßholzwurzel) ist ein klassisches demulzierendes und expectorierendes Heilmittel mit starker Tradition bei Husten, Katarrhen und Magenbeschwerden. Durch Glycyrrhizin und Flavonoide wirkt es schleimhautschützend und antiinflammatorisch. Anerkannt durch Kommission E und HMPC. Gut verträglich bei kurzfristiger Anwendung; bei längerer Einnahme auf Blutdruck und Elektrolyte achten.

Hinweis: Dieser Artikel dient informativen Zwecken und ersetzt keinen ärztlichen Rat.

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